Anhörung
Großer Andrang bei der Anhörung der Pankower Linksfraktion zu Situation der bezirklichen Kultur. Viele Kulturschaffende, interessierte Bürgerinnen und Bürger und auch der für Kultur zuständige Stadtrat Kühne (CDU) waren gekommen.
Der kulturpolitische Sprecher der Linksfraktion, Matthias Zarbock, begrüßte die Anwesenden. Der Fraktionsvorsitzende, Michael van der Meer, erläuterte den vorgelegten Haushaltsentwurf: „Er bringt enorme Einschnitte für die kulturellen Einrichtungen im Bezirk mit sich“. Danach berichteten die eingeladenen Anzuhörenden, wie sich das konkret in den jeweiligen Bereiche auswirkt.
Die ehrenamtlichen Bibliotheken erhalten lediglich einen bezirklichen Zuschuss von wenigen hundert Euro zu den Betriebskosten. Ihre VertreterInnen berichteten einhellig, dass die Zahl ihrer Nutzerinnen und Nutzer kontinuierlich ansteige. Klaus Lemmnitz von der Ehrenamtlichen Kurt-Tucholsky- Bibliothek erläuterte, dass sie 16% mehr LeserInnen und 33 Tausend mehr Ausleihen haben. Frau Burgaleta von der Nachbarschaftsbibliothek in Französisch Buchholz ergänzte, „wir hatten 2066 etwa 6 Tausend Ausleihen, heute sind es über 10 Tausend“.
Viele Kinder nutzen die Bibliotheken, weshalb auch die Leseförderung einen hohen Stellenwert hat, ebenso wie die Kooperation mit Schulen.
Herr Meinhard von der Ehrenamtlichen Bibliothek in Wilhelmsruh betonte in diesem Zusammenhang, dass Bibliotheken ein Alleinstellungsmerkmal haben, „nirgendwo anders gibt es kostenlose Bücher“. In den drei Bibliotheken engagieren sich jeweils zwischen 18 und 30 Ehrenamtliche jeden Alters. Die Ehrenamtlichen und NutzerInnen der Kurt-Tucholsky- Bibliothek wollen ihre Einrichtung zu einem Bildungs-, Kultur- und Begegnungszentrum weiterentwickeln und lassen keinen Zweifel daran, dass sie- wie schon vor ein paar Jahren- erneut für den Erhalt der Bibliothek und der Kultureinrichtungen in Pankow kämpfen werden. So betonte Klaus Lemmnitz: „Es geht hier nicht nur alleine gegen die Schließung, es geht um den Erhalt von kommunalen Einrichtungen“.
Dem konnten sich auch die VertreterInnen des Freundeskreises der Chronik Pankow, Christel und Helmut Lieberam, anschließen. Beide sind über 75 Jahre alt und engagieren sich seit mehr als 20 Jahren ehrenamtlich. Der Freundeskreis der Pankower Chronik erhielt 1999 noch den Kulturpreis von Pankow. Nun soll ihr Vereinshaus in Niederschönhausen geschlossen werden.
Im 2. Teil der Anhörung ging es um das Kulturareal Thälmannpark. Jens Becker vom Aktionsbündnis Berliner Künstler erläuterte die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Einrichtungen. „Hier können sich KünstlerInnen bewerben und auftreten und wenn sie gut sind, dann können sie wieder kommen.“ Seiner Ansicht nach führt das Konzept „zu einer großen Vielfalt und einer ständigen Erneuerung.“ Er stellte fest, dass der Bezirk mit dieser kommunalen Einrichtung einen Schatz hat, den er nicht erkennt. Zu der von Stadtrat Kühne favorisierten Lösung einer Treuhänderschaft - also jemand soll die Immobilie übernehmen und die Kultureinrichtungen mieten Räume- konnte er sich nicht eindeutig äußern, da bei ihnen unterschiedliche Positionen gibt. Aber er verwies auch auf die Risiken einer solchen Idee. „Die Diskussion über Kultur ist entweder eine Haushalts- oder eine Immobiliendiskussion“, kritisierte er. Notwendig sei aber eine Debatte über einen Kulturwicklungsplan im Bezirk.
Dies bestätigte auch Ela Zorn, Projektleiterin u.a. von ´Kinder machen Kurzfilme`, „ es wird gar nicht mehr über Inhalte geredet, sondern nur noch über Zahlen“. Sie kooperieren mit Schulen und binden pro Jahr etwa 900 Kinder ein. Sie sind auf die Räume im Kulturhaus angewiesen, dessen Zukunft in Frage steht. Ela Zorn erhält viel Beifall für den Satz: „Wenn es keine kulturelle Bildung mehr gibt, dann wird es irgendwann nicht mal mehr Ehrenamtliche geben, die sich für die Gesellschaft engagieren.“
Michael Hegewald vom Kunsthaus e.V. machte klar, dass die Einrichtung, im Falle eines Verkaufs der Immobilie nicht weiter bestehen würde. Miete könnte der Verein nur bezahlen, wenn er die Kursgebühren erhöhen würde, dann allerdings könnten sich viele der TeilnehmerInnen das Angebot nicht mehr leisten.
Im Kunsthaus werden viele verschiedene Kurse angeboten, auch in Kooperation mit der Volkshochschule. Etwa 300 Menschen nutzen die Angebote und werden ehrenamtlich betreut. Der bezirkliche Zuschuss von 580 Euro soll nun gestrichen werden.
Auch Holger Schade, Veranstalter und Pressesprecher von ´Musik und Politik` hält eine Kommerzialisierung seines Projekts für unmöglich. Für ihn ist es eine Frage der Zukunft, ob der Bezirk Kultur macht oder nicht.
An dieser Stelle verweise ich auch auf einen Beitrag von Florian Schöttle, der den Inhalt seines gestrigen Beitrags als Anzuhörender wider gibt. Ein Artikel der Prenzlauer Stimme zur Debatte im Finanzausschuss über die Übertragung von Immobilien gibt weitere Aufklärung.